Die Vorburg

Mansfeld-Südharz – (k)Ein Landkreis zum Leben…

Da sitzt man nichtsahnend beim zweiten Frühstück und grübelt über die nächsten Schritte des Projektes Vorburg, spinnt Ideen, feilt an den Plänen, da lasse ich mich von einem Facebook-Artikel der Mitteldeutschen Zeitung ablenken. Notiz an mich: Eigentlich wollte ich mich nicht mehr von meinem mobilen Internetgerät ablenken lassen, während ich mit anderen Dingen beschäftigt bin. Beim nächsten Mal wird alles besser.

Zurück zum Thema, hier der Artikel:

 

Kurz zusammengefasst: Geh nicht nach Mansfeld-Südharz, nur alte Leute, keine Perspektiven, verraten, vergessen, verkauft. Gefühlt! Freunde der Nacht, davon lasse ich mir jetzt nicht den Tag verhageln. Nun nehme ich mir mal die Zeit für einen zweiten, genaueren Blick auf diese Meldung und deren Daten und Fakten.

“Blickt man dann in eine jüngst veröffentliche Datenerhebung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, so könnte man fast den Eindruck gewinnen, als sei dies eine Seltenheit – denn der Landkreis Mansfeld-Südharz ist in Sachen Bevölkerungsentwicklung bundesweit Schlusslicht.” – Quelle: Mitteldeutsche Zeitung ©2018

Ja diese Statistiken. In reinen Zahlen mag das stimmen. Der Grundton der allgemeinen Berichterstattung macht meines Erachtens aktuell die Musik. Ist ja unser tägliches Brot uns mit “irgendwas mit Medien/Werbung” zu beschäftigen. Immer mehr Botschaften prasseln jeden Tag, jede Stunde, jede Minute auf uns ein. Die Aufmerskamkeitspanne ist längst unter die eines Goldfisches gesunken. Eine Studie, hier publiziert, berichtet darüber. Spassig hier, wer der eigentliche Auftraggeber der Studie ist. Da wird alles auf diese neuen Smartphones geschoben. Weltfirma Microsoft. Sie wissen schon, die Neider von Apple, die mit dem bekannten blauen Bildschirm und dem unerwarteten Fehler. Wie gut, dass die alle anderen Fehler erwarten, so auch deren Versagen ordentliche Software für den Anwender, die Anwenderin zu erstellen. Aber das ist ein anderes Thema und schon in meinem Kalender notiert.

Zack, acht Sekunden rum, schon vergessen worum es ging. Doch mein Smartphone erinnert mich an meine Aufgabe, also weiter im Text. Dennoch geht dem Goldfisch scheinbar besser als uns. Er jammert nicht. Oder vielleicht hören wir Ihn nur nicht durch das dicke Glas seines Becken. Wie dem auch sei, mehrere Punkte sollten zum Standort Mansfeld-Südharz beachtet werden.

Ich suche jetzt nicht nach Entschuldigungen, warum gerade wir planen uns in diesem besagten Landkreis niederzulassen, den Lebensmittelpunkt zu legen, Arbeiten, Arbeit geben und neben Zeit auch Geld investieren. Warum sollte ich mich für einen solchen Landkreis verschulden? – spricht der Bankkaufmann in mir.

Betrachtet man unsere jetzige Heimat an der Ostseeküste und geht ein paar Jahre, beispielsweise in das Jahr 1998 zurück, gab es in und um Rostock eine Vielzahl von Orten an denen man nicht Tot über dem Zaun hängen wollte. Viele Fehl- und sicherlich weniger gute Entscheidungen später, kann sich die Stadt vor Touristen und Kreuzfahrtschiffen im annektierten (zwangseingemeindeten) Warnemünde kaum retten. Man fährt ja sogar aus Mitteldeutschland immer noch gerne an die Küste um das Treiben zu beobachten und Kreuzfahrtschiffe anzusehen. Ist hier alles Gold was glänzt? Mitnichten. Auch das füllt mehrere Artikel.

Lübeck, ehemaliges Zonenrandgebiet – westlich gesehen. Die freuten sich damals über tolle Zuschüsse, bis zum Mauerfall. Dann wurde losgegrummelt und auf das Marzipan vertraut. Bis heute. Immer älter werdende Einwohner, immer mehr meckernde, Fehlplanungen am laufenden Band furch die Politik. Eine schöne Geschichte, die mir ein Versorger einst zutrug. Die Kläranlagen der Stadt wurden falsch geplant und die Abwässer sind teuer und sogar per Export fremdzureinigen. Denn niemand dachte bei den Bioanlagen and die älter werdende Zielgruppe und deren medikamentengetränkten Abwässer. Ach was ist das schön, wenn man feststellt: Den anderen geht es jau auch schlecht, oder schlechter. Darauf dann erst einmal ein Bier aus dem Supermarkt, der Kasten unter 10 Euro, einmal durch das ganze Lang kutschiert und extra durch einen Spareinkauf im 100km entfernten Discounter billig eingekauft. Das lokale Bier, welches besser schmeckt, wird aufgrund des Preises ausser Acht gelassen. Zack: wieder Stoff für einen neuen Artikel, wieder acht Sekunden rum. Ich schweife ab.

Lübeck hat einen zweiten Blick verdient. Fragt man wenige Meter ausserhalb des Stadtzentrums nach der Lage Lübecks, hört man: “Wir sind in der Metropolregion Hamburg angesiedelt”. Ein Schelm wer böses denkt.

Hamburg oder Hammburch wie der Hamburg sagt, liegt mal eben 70 Kilometer entfernt. Mit Stadtverkehr gefühlt drei Stunden, und erst in der vergangenen Woche mit dreieinhalb Stunden von mir selbst erprobt. Da wird in diesem ominösen Internet darüber berichtet, dass sich diese Metropolregion bis Cuxhaven und Teile Mecklenburg-Vorpommerns ausdehnen. Werfen wir mal einen Blick auf die Karte: das ist fast das gesamte Norddeutschland. Wir alle sind Hamburger!

Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Metropolregion_Hamburg

Bei diesem Blick wird einem schnell klar: egal ob eine Stadt, ein Landkreis dort oben gut oder schlecht dasteht, alle profitieren von dem Namen und der Organisation Metropolregion Hamburg.

In unserer neuen Heimat haben wir auch so etwas. Sogar das Internet hat es schon erfasst: Die Metropolregion Halle/Leipzig war einmal, nun ist es die Metropolregion Mitteldeutschland (mit einen Klick gibt es auch hier schöne Bilder und Karten blühender Landschaften). Freuen wir uns an unserer Region, freuen wir uns auf das kommende Breitbandnetz (die Verträge sind gemacht, die Arbeiten begonnen), freuen wir uns auf Möglichkeiten, die wir einbringen können, auf die uns Leipzig beneidet. Da gibt es Projekte zum “Urban Gardening” – neudeutsch für Garten oder Datsche. Jede freie Fläche wird für gemeinschaftliches Gärtnern genutzt, wir schaffen es noch nicht einmal einen Vorsitzenden für eine seit Jahrzehnten rege bevölkerte Kleingartenanlage zu finden (Die MZ berichtete seinerzeit aus Allstedt).

Was nun wird da gegärtnert? Und warum? Die Menschen sehnen sich nach dem Grün, nach dem Ausgleich, nach der Natur, nach der Alternative zum Stadtleben. All das, was wir in nur 30-45 Minuten Autofahrt in und um Allstedt beispielsweise schon haben. Die Zukunft des Arbeitsplatzes ist keine grosse Fabrik mehr. Die Zukunft ist Arbeit und Leben noch besser in den Einklang zu bringen. Das klappt nicht von heute auf morgen und in jeder Branche, aber in vielen klappt das jetzt schon ganz gut. Der Landkreis Mansfeld-Südharz hat all das. Ruhe, eine dennoch zentrale Anbindung, viel Natur, Grün und Städte innerhalb einer Metropolregion mit mehr als 1.000.000 (für die Zahlenfreunde: eine Million) Einwohner im Umkreis von 100km. Laut Wikipedia sind es sogar mehr als zwei Millionen Menschen. Suchen Sie sich eine Zahl aus. Beide zeigen. Es liegt auf der Hand, das der Landkreis Mansfeld-Südharz etwas aus sich und seiner Lage machen kann. Heute womöglich leider noch nicht, aber morgen ganz sicher werden sich viele nach unserer Region sehnen. Die Jugend, die heute weggeht, wird morgen Ihre #heimatliebe wiederfinden und dann auf eine tolle Region und eben Heimat blicken können, oder sie gestaltet einfach jetzt schon aktiv mit.

Einfach anpacken, machen, Freude einbringen. Gerne manchmal auch mit kindlicher Naivität.

Da habe ich Themen wie Tourismus und Regionale Erzeuger noch nicht angesprochen. Wieder ein Vergleich zur Ostsee. Rostock war nie der Industriestandort (mit Ausnahme der Flugzeugproduktion in Pionierleistungen aus dem vergangenen Jahrhundert, die heute niemand mehr erwähnen möchte), dennoch sehnen sich alle nach Industrie. Stimmt nicht. Der Landkreis Mansfeld-Südharz hat sicher mehr zu bieten als ehemalige Kumpel und geschlossene Schächte. Strukturwandel findet überall statt, mit und ohne Wende, mit und ohne Politik. Ebenso möchte doch niemand mehr am Band stehen, der womöglich heute nach fehlenden Industriearbeitsplätzen schreit.

Will nicht am Ende jeder gerne schön und ruhig Leben, seine Serien ob nun Schwarzwaldklinik, Polizeiruf 110, Tatort oder Amazon und Netflix Angebote online sehen, einen schönen, flexiblen Arbeitsplatz haben, wo es womöglich noch Spaß machen könnte zu arbeiten, um dann abends ein leckeres Kaltgetränk im Kreise seiner Freunde zu genießen? Wie schön ist doch die Freiheit sich spontan ins Auto setzen zu können um mal eben das kulturelle Angebot der umliegenden Großstädte nutzen zu können. Das würde sich manch ein Großstädter wünschen, ob nun in Ost oder West.

Ich möchte mit einem letzten Fakt aus dem MZ-Bericht enden.

Quelle: https://www.mz-web.de/landkreis-mansfeld-suedharz/bevoelkerungsentwicklung-landkreis-mansfeld-suedharz-schrumpft-und-wird-immer-aelter-30085182

Sollten Sie sich doch lieber zurücklehnen wollen, so liefert die obige Grafik alle Daten dazu. Wenn Leipzig weiterhin so überproportional wächst, dann breitet es sich eines Tages bis Mansfeld-Südharz aus, verlegen wir doch einfach die Stadtgrenzen, leben jammernd weiter wie bisher. Oder motivieren wir uns und unsere Nachbarn etwas vor der eignen Haustür zu tun. Zeigen wir, was wir möchten und was wir nicht möchten, bewegen und verändern wir etwas ohne auf jemand oder etwas zu warten. Facebook und die Internetartikel lassen uns gerne das Negative sehen, bringt ja Auflage und Aufmerksamkeit. Heile Welt, aber auch “echte” und motivierende Bilder und Beispiele aus den Regionen, findet man zum Beispiel bei Instagram unter dem Suchbegriff/Hashtag #heimatliebe.

Wir lassen uns die Motivation nicht nehmen, etwas zu bewegen. Für uns, für unsere zukünftigen Nachbarn und für unsere Region. Unserer #heimatliebe können Sie auf vielen Kanälen verfolgen. Am Besten hier unten kostenlos im Verteiler eintragen, bei Facebook, Instagram oder YouTube folgen.

Auf bald!

Für eine vielfältige Meinungsbildung und zum Überbrücken der zeit bis zum nächsten Artikel, mal eine weitere, andere Studie.

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